Stellwerkstechniken

mechanisches Stellwerk Wilhelmstal
elektromechanisches Stellwerk Erhardsbrunn
SpDrS 60 Stellwerk Edemühlen
ESTW Sengotta

Die Sicherheit im Eisenbahnbetrieb wird im wesentlichen durch die eingesetzten Stellwerke und deren korrekter Bedienung erreicht. Alle im EBD vorhandenen Stellwerke kamen oder kommen so auch in der Wirklichkeit zum Einsatz. Damit ist es im Betriebsfeld möglich, einen realen Zugbetrieb zu simulieren, auch wenn "nur" eine Modellbahn statt echter Züge fährt. Im Gegensatz zu einer üblichen Modellbahn wird sich im Betriebsfeld ein Zug nur dann in Bewegung setzen, wenn wie in echt alle notwendigen Bedienhandlungen durchgeführt wurden.

Neben allen Stellwerksbauformen sind auch alle Blockbauarten im Betriebsfeld vorhanden: Vom nichtselbsttätigen Felder- und Relaisblock über Selbstblock bis zum Zentralblock sind alle Sicherungsformen der freien Strecke zu finden. Auf der Nebenbahn kann der Block abgeschaltet werden. Die Sicherheit ist dann nur noch durch mündliche Verständigung gewährleistet.

Alle Betriebsstellen im EBD werden jeweils von einem Stellwerk gesteuert. Der modulare Aufbau ermöglicht es jedoch, anders als in der Realität, einen Bahnhof kurzfristig von der vorhandenen älteren Stellwerkstechnik auf ein Elektronisches Stellwerk (ESTW) umzuschalten. Damit ist es, je nach Schulungsbedarf, möglich, die Anlage mit einer nahezu beliebigen Teilnehmeranzahl zwischen zwei und 14 Fahrdienstleitern zu betreiben. Bei zwei Fahrdienstleitern wird die gesamte Anlage über zwei ESTW-Arbeitsplätze gesteuert; dies ist die Standardkonfiguration für Dispositionsübungen. Bei 14 Teilnehmern werden alle Stellwerke örtlich besetzt. Durch die variable Zuordnung kann neben der Anpassung an die Kursgröße auch anschaulich gezeigt werden, wieviel Personalbedarf die jeweilige Technik benötigt oder umgekehrt, welche Arbeitsbelastung je nach Größe des Stellbezirks für einen einzelnen Fahrdienstleiter erforderlich ist.

Ein großer Vorteil bietet die räumliche Nähe der Stellwerke. So können einerseits Bedienhandlungen und deren Auswirkungen auf Nachbarstellwerke sofort dargestellt (was in der Realität aufgrund der Entfernung mehrerer Kilometer nicht geht) als auch die Entwicklungsstufen zwischen den verschiedenen Stellwerkstypen erläutert werden. Das EBD hat sich bewußt dafür entschieden, auch weiterhin die älteren Stellwerksbauformen in die Anlage zu integrieren, auch wenn es diese künftig nicht mehr oder nur noch in sehr geringer Stückzahl geben wird. Das Verständnis für Sicherungstechnik und das Zusammenspiel der Komponenten kann an den alten Techniken besonders anschaulich gezeigt werden.

Im Betriebsfeld können jederzeit Störungen eingespielt werden (z. B. eine Weiche kann nicht mehr gestellt werden, ein Signal bleibt in Haltstellung), die die Übungsteilnehmer zu entsprechenden Aktionen auffordern oder mögliche Fehlhandlungen aufzeigen.

Wer sich dafür interessiert, wie Stellwerke im einzelnen aufgebaut sind, wie sie funktionieren und welche Stellwerkstypen es gibt, der sei auf www.stellwerke.de verwiesen.

Mechanische Stellwerke

Bei dieser ältesten Stellwerksbauform werden Signale und Weichen über Hebel bedient, die mittels Seilzügen verbunden sind. Alle Bedienhandlungen müssen einzeln und nacheinander ausgeführt werden. Die Sicherheit des Stellwerks wird über mechanische Abhängigkeiten hergestellt. Im EBD sind die Bahnhöfe Wilhelmstal und Armstroffmeiler, sowie die Blockstelle Buchsbaum mit mechanischen Stellwerken ausgestattet.

Elektromechanische Stellwerke

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden elektromechanische Stellwerke entwickelt. Die Abhängigkeiten sind weiterhin über mechanische Bauteile gewährleistet, die Bedienung des Stellwerks wurde durch den Einsatz von elektrischen Komponenten vereinfacht: Statt der Bedienung eines großen Hebels mit entsprechendem Kraftaufwand muß nun nur noch ein kleiner Schalter umgedreht werden, der einen Weichenmotor ansteuert. Das Betriebsfeld verfügt über zwei elektromechanische Stellwerke im Bahnhof Erhardsbrunn und der Abzweigstelle Franzensfeld.

Gleisbildstellwerke

Nach dem zweiten Weltkrieg wurde im großen Stil mit der Produktion dieser Stellwerksgattung begonnen. Die Sicherheit und Abhängigkeit der Elemente wird nun durch eine Relaisanlage gewährleistet. Der Bediener hat erstmals mit dem Stelltisch einen stilisierten Gleisplan vor sich. Die Bedienung des Stellwerks erfolgt durch Drücken oder Ziehen einer oder mehrerer Tasten auf dem Stellpult. Man unterscheidet von der Relaisanlage grundsätzlich zwei Stellwerkstypen: Fahrstraßenstellwerke und Spurplanstellwerke. Bei ersteren sind alle gültigen Fahrwege fest in der Relaisanlage verdrahtet, Spurplanstellwerke suchen sich ihre Fahrwege über geografische Abhängigkeiten der Relaisgruppen, die der Gleisanlage nachgebildet sind. Für den Bediener gibt es ebenfalls zwei wesentliche Unterscheidungsmerkmale: Stellwerke mit und ohne Weichenlaufkette. Bei Stellwerken ohne Laufkette muß der Fahrdienstleiter wie auf den herkömmlichen Techniken zunächst alle Weichen in die richtige Lage bringen, bevor er das Signal stellen kann, Stellwerke mit Laufkette erledigen dies alleine: Der Fahrdienstleiter drückt nur noch eine Start- und eine Zieltaste, alles andere ist Aufgabe des Stellwerks. Das EBD bietet Stellwerke in all diesen Varianten, u. a. in den Bahnhöfen Edemühlen, Käfertal und Potsdorf.

Im EBD neu hinzugekommen ist ein Relaisstellwerk der Bauform "GS II DR" von WSSB ("Werk für Signal- und Sicherungstechnik Berlin"), welches u.a. über eine Fahrstraßeneinspeicherung verfügt und im Gebiet der ehemaligen DDR zum Einsatz kam. Im EBD kann dieses Stellwerk wahlweise anstelle des mechanischen Stellwerks für Armstroffmeiler verwendet werden.

Elektronische Stellwerke

Seit etwa 1990 werden ESTW in größerem Umfang in Betrieb genommen. Die Sicherheit wird nun über die Rechneranlage gewährleistet. Durch die Digitaltechnik lassen sich ESTW sehr einfach fernsteuern und zu großen Stellbereichen zusammenfassen. Diese Gegebenheiten spiegeln sich auch im Betriebsfeld wider: Es können alle Bahnhöfe entweder mit einem Stellwerk vor Ort bedient werden oder aus der Zentrale von zwei Arbeitsplätzen. Jeder der beiden Fahrdienstleiter kontrolliert dann etwa die Hälfte der Anlage. Zur Unterstützung kann die Zuglenkung aktiviert werden: Anhand der Fahrplandaten und der aktuellen Zugposition führt das Stellwerk den Zugbetrieb im Regelfall alleine durch, der Fahrdienstleiter greift nur noch bei Abweichungen vom Regelbetrieb ein.

Zugleitbetrieb

Hierbei handelt es sich nicht um eine Stellwerksbauform, sondern um die Durchführung des Zugbetriebs ohne technische Sicherung auf Nebenbahnen. Hierzu kann die Stellwerkstechnik auf der Nebenbahn komplett ausgeschaltet werden. Die Sicherheit des Betriebs wird dann nur noch durch die korrekte mündliche Verständigung zwischen den einzelnen Stellen gewährleistet.